onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe



Delhi – Willkommen im Chaos

Fortsetzung Doha


Am Abend erreichte ich endlich Delhi – oder genauer gesagt Neu-Delhi, die Hauptstadt Indiens. Ich wollte noch schnell etwas Geld wechseln, aber wie es das Schicksal so will: ausgerechnet bei der Wechselstube war der Strom ausgefallen. Kein Licht, kein Ventilator, keine Rupien. Also musste ich ohne indisches Bargeld weiter. Ein Fehler, wie ich bald merken sollte – ohne Cash läuft in Indien gar nichts!
Die Sonne war bereits untergegangen, die Luft war warm und schwer vom Smog. Ich bestellte mir ein Uber zum Hotel – laut App sollte die Fahrt etwa eine Stunde dauern. Kaum saß ich im Auto, begann das indische Konzert: Hupen, Drängeln, Geschrei, Chaos. Der Verkehr in Delhi ist ein einziger Ausnahmezustand, Tag und Nacht. Je näher ich meinem Hotel kam, desto klarer wurde mir: Diese Stadt funktioniert irgendwie im permanenten Ausnahmezustand – und das erstaunlich gut.


Delhi, das Herz Indiens, ist ein Ort der Gegensätze: Zwischen Glasfassaden und Slums leben über 22 Millionen Menschen – mehr als in ganz Österreich, der Schweiz zusammen. Es ist eine Stadt voller Gerüche, Geräusche und Geschichten. Wer hier ankommt, sollte wissen: In Delhi regiert nicht die Ordnung, sondern der Überlebensinstinkt. Ampeln? Dekoration. Verkehrsregeln? Vorschläge.
Die engen Gassen waren voll mit Tuk Tuks – kleinen, dreirädrigen Fahrzeugen, halb Motorrad, halb Auto. Man sitzt drin wie in einer rollenden Blechdose auf drei Rädern – mit dem Unterschied, dass man jedes Schlagloch persönlich kennenlernt. Vorteil: wendig, billig und man kommt überall durch. Nachteil: keine Stoßdämpfer, keine Sicherheitsgurte, keine Nerven mehr.
Zwischen hupenden Mopeds, bellenden Straßenhunden und kreuzenden Kühen kämpften sich die Fahrzeuge durch die Nacht. Das Hupen war allgegenwärtig – nicht als Warnung, sondern als Lebenszeichen.
Da der Verkehr irgendwann völlig zum Stillstand kam, konnte mein Fahrer nicht bis zum Hotel durchfahren. Also: Rucksack schultern, aussteigen und zu Fuß weiter. Auf den Hauswänden blinkten bunte Leuchtreklamen, Verkäufer schrien ihre Angebote, Menschen liefen durcheinander – und überall lag Müll. Müll, Müll und nochmals Müll. Es sah aus wie eine Müllhalde mit Stadtanschluss. Dazwischen wurden Kleider, Obst und frisch zubereitete Speisen verkauft – wobei das Wort frisch in Indien wohl eine sehr dehnbare Definition hat.


Ich musste aufpassen, nicht von einem Moped oder Tuk Tuk überfahren zu werden. Dazu kamen Straßenhunde, Ratten und natürlich – ganz selbstverständlich in Indien – Kühe, die seelenruhig mitten im Verkehr standen. Ich fühlte mich wie in einem Film – aber eher in einem surrealen als in einem romantischen Bollywood-Streifen.
Mein Hotel hatte keinen westlichen Standard. Beim Einchecken wurde mein Name von Hand in ein riesiges Buch eingetragen – sehr charmant, fast wie im Kolonialzeitalter. Computer gab es zwar, aber offenbar war der Füllfederhalter zuverlässiger.


Da es noch nicht allzu spät war, beschloss ich, einen Spaziergang zu machen – oder besser gesagt: mich ins urbane Chaos zu stürzen. Je näher ich dem Bahnhof kam, desto bedrückender wurde das Bild. Menschen schliefen auf offener Straße, mitten zwischen Müll und Staub. Kinder ohne Schuhe spielten neben Fahrbahnen, alte Männer lagen zusammengerollt unter Decken. Die Armut war überall sichtbar, brutal ehrlich und gnadenlos. Ich war erst eine Stunde in Delhi, aber so viel Elend hatte ich noch nie mit eigenen Augen gesehen.
Zum Essen konnte ich mich an diesem Abend nicht überwinden. Mein Vertrauen in die lokale Hygiene war… sagen wir, überschaubar. Ich bezweifle, dass es hier eine Lebensmittelaufsicht gibt – und falls doch, ist sie vermutlich gerade im Streik.
Indien ist ein Land der Extreme – 1,4 Milliarden Menschen, seit 2023 das bevölkerungsreichste Land der Welt. Es ist eine Parlamentarische Republik, die 1947 ihre Unabhängigkeit vom Britischen Empire erlangte.
Trotz enormen Wirtschaftswachstums – das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei über 3,7 Billionen US-Dollar – leben rund 230 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze.
Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei etwa 250–300 Euro – zum Vergleich: in Österreich sind es ungefähr 3.000 Euro.
Dennoch: Indien hat heute über 250 Milliardäre und schätzungsweise 900.000 Millionäre – ein Land zwischen Palast und Papphütte.


Die Gesellschaft ist immer noch vom alten Kastensystem geprägt: eine Jahrtausende alte soziale Ordnung, die Menschen nach Geburt in feste Gruppen einteilt – offiziell abgeschafft, aber im Alltag oft noch spürbar.
Indien ist mehrheitlich hinduistisch (etwa 80 %), daneben leben Muslime, Christen, Sikhs, Buddhisten und Jainisten.
Das Land ist riesig – 3,3 Millionen Quadratkilometer groß, fast neunmal so groß wie Deutschland.
Die Hauptstadt ist natürlich Neu-Delhi.
Zur Orientierung: Indien liegt 3,5 Stunden vor Österreich, weil das Land eine eigene Halbstunden-Zeitzone hat – eine pragmatische, aber weltweite Rarität.
Politisch sind die Beziehungen zu Pakistan nach wie vor angespannt, vor allem wegen der Region Kaschmir, um die beide Länder seit Jahrzehnten streiten.
Am nächsten Morgen begann mein Abenteuer mit einer simplen Mission: Geld wechseln.
Klingt einfach, oder? War es aber nicht. Ich fand keine funktionierende Wechselstube weit und breit. Selbst die U-Bahn-Tickets konnte man nur bar bezahlen – und die kosteten umgerechnet gerade einmal 30 Cent. Zum Glück hatte ein freundlicher Mitfahrer Mitleid mit mir und bezahlte mein Ticket.
Vor lauter Verlegenheit drückte ich ihm eine 2-Euro-Münze in die Hand.
Er schaute sie an, als hätte ich ihm einen Schatz überreicht. Für ihn war es tatsächlich einer.
Abgelenkt von dem Straßenlärm, den Gerüchen und der Armut um mich herum, stieg ich an der falschen Station aus. Typisch. Das kostete mich nicht nur Zeit, sondern auch ein paar Schweißtropfen.


Mein Ziel war klar: Ich wollte nach Agra, um endlich das legendäre Taj Mahal zu sehen.
Das Ticket für die rund 200 Kilometer kaufte ich am Schalter. Dafür musste ich ein Formular ausfüllen – Name, Ziel, Klasse, Sitzplatzwunsch. Bürokratie auf indisch! Für einen Liegeplatz zahlte ich umgerechnet etwa 7 Euro. Ein echtes Schnäppchen.
Während ich auf den Zug wartete, beobachtete ich das Leben am Bahnsteig.
Menschen saßen auf dem Boden, Familien schliefen auf Decken, Kinder spielten zwischen Gepäckbergen, während über allem eine Symphonie aus Spucken, Hupen und Rufen lag.
Und ja – die Inder spucken gern. Und viel. Ob Kautabak, Betelnuss oder einfach nur so – in Indien scheint Spucken eine Art Volkssport zu sein.
Während es bei uns für Empörung sorgt, gehört es hier irgendwie zur Körperkultur. Man muss das Land eben nehmen, wie es ist.
Pünktlich um 12 Uhr sollte der Zug abfahren.
12:40 Uhr rollte er dann tatsächlich ein – indische Pünktlichkeit eben.
Von außen sahen die Waggons aus wie alte Viehwagen, mit offenen Türen und rußgeschwärzten Fenstern.
Noch während der Zug in Bewegung war, sprangen Menschen ab, andere hängten sich außen an. Ich stand nur da, den Mund halb offen – das war keine Zugfahrt, das war Adrenalin in Reinform.
Mein Abteil war ein Großraum-Liegewagen, ähnlich den sowjetischen Zügen, die ich schon kannte – nur deutlich chaotischer.
Mit über einer Dreiviertelstunde Verspätung setzte sich der Zug in Bewegung.
Ironischerweise dachte ich mir: „Die indische Bahn kann sich von der Deutschen Bahn was abschauen .“
Die Indian Railways sind ein eigenes Universum.
Mit über 68.000 Kilometern Streckennetz ist sie eines der größten Bahnnetze der Welt und befördert täglich über 23 Millionen Passagiere – also mehr Menschen als ganz Australien Einwohner hat!
Die Preise sind unschlagbar günstig, dafür sind Komfort und Sauberkeit eher…naja.
Viele Züge sind alt, laut, überfüllt – und doch irgendwie faszinierend.
Man sollte nur wissen: Laut offiziellen Statistiken sterben täglich rund 10 Menschen bei Zugunfällen oder beim Versuch, auf fahrende Züge auf- oder abzuspringen, bzw fallen während der Fahrt aus dem Zug.
Ein unvorstellbares Risiko, das hier zum Alltag gehört.
An Schlaf war im Zug nicht zu denken.
Alle paar Minuten schob sich jemand durch den Gang und rief lautstark:
„Coffee! Tea!“ Tea? Natürlich nicht Tea!
Es handelt sich um Chai, den berühmten indischen Gewürztee, der  wahlweise mit Milch, Zucker und Gewürzen gekocht wird.
Durch den britischen Kolonialeinfluss trinkt man in Indien zwar Tee, aber niemand sagt „Tea“, sondern „Chai“ – das klingt wärmer, herzlicher und einfach… indischer.
Ich wollte mich etwas bewegen und ging zum Türbereich.
Was ich sah, war unglaublich: Die Türen standen bei voller Fahrt offen und Menschen lehnten sich hinaus, als wäre das völlig normal.
Die erwähnten Todesfälle sind der tragischer Preis für ein System, das für viele Inder dennoch Lebensader und Hoffnung zugleich ist.
Der Zug blieb mehrmals mitten im Nichts stehen – kein Bahnhof weit und breit.
Manche Passagiere nutzten die Pause, um sich eine Zigarette zwischen den Gleisen anzuzünden.
Ich schwöre, es sah aus wie eine Szene aus einem postapokalyptischen Film: Züge, Rauch, Zigaretten, Staub – und dann rannte plötzlich wieder alles los, als der Zug sich ohne Vorwarnung in Bewegung setzte.
Ein paar Männer schafften es in letzter Sekunde noch aufzuspringen.
Nach einer langen, holprigen Fahrt erreichte ich schließlich Agra – die Stadt des legendären Taj Mahal.
Vor dem Bahnhof warteten schon Dutzende Tuk-Tuk-Fahrer – alle wollten mich „best price“ zum Taj Mahal bringen.
Ich stieg in eines dieser klapprigen Gefährte und die Fahrt begann.
Durch enge Gassen, vorbei an hupenden Autos, streunenden Hunden und natürlich wieder Kühen.
Der Abstand zum Gegenverkehr? Zwei Finger breit.
Man kann problemlos in das Tuk Tuk nebenan hineingreifen und den Fahrer grüßen, so eng geht’s zu.


Die Fahrt ist laut, ruckelig, chaotisch – aber irgendwie unglaublich lebendig.
Für einen Europäer ist das ein kleiner Kulturschock, aber auch ein Erlebnis zugleich, das man nicht vergisst.
Endlich stand ich vor dem Taj Mahal.
Schon am Eingang fiel auf: Ausländer zahlen den 20-fachen Preis!
Der Taj Mahal wurde zwischen 1632 und 1653 vom Mogulkaiser Shah Jahan erbaut – als Mausoleum für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb.
Über 20.000 Arbeiter und 1.000 Elefanten waren am Bau beteiligt.
Das Gebäude besteht aus weißem Marmor, der je nach Sonnenstand seine Farbe verändert – von zartrosa im Morgenlicht bis golden im Abendrot.
Es gilt als eines der sieben neuen Weltwunder und ist Symbol für ewige Liebe.
Als ich dort stand, am späten Nachmittag, färbte die Sonne den Marmor golden.
Frauen posierten elegant vor dem Mausoleum, Selfie-Sticks ragten in die Luft, und ein paar freche Affen sprangen auf den Mauern herum. Ja, dort laufen Affen herum!
Trotz all des Trubels lag über dem Ort eine seltsame Ruhe.
Für einen Moment vergaß ich das Chaos Indiens – alles war still, nur Licht, Stein und Geschichte.
Mit Einbruch der Dunkelheit stellte sich die Frage: Wie zurück nach Delhi?
Noch einmal Zug? Danke, aber nein danke.
Ich beschloss, es mit Uber zu versuchen – eine vierstündige Fahrt zurück in die Hauptstadt.
Ein Fahrer meldete sich sofort, warnte aber, dass Mautgebühren anfallen würden. Ich stimmte zu.
Unterwegs hielten wir in der Stadt Mathura – laut meinem Fahrer die Geburtsstadt von Krishna, einer der wichtigsten Gottheiten des Hinduismus.
Natürlich wollte ich mir den Tempel ansehen.
Mein Uber-Fahrer war redselig – und das war gut so, denn die Fahrt nach Delhi dauerte mit diesem Stopp 5 Stunden. Als wir durch Mathura fuhren, erzählte er mir mit leuchtenden Augen, dass dies die Geburtsstadt von Krishna sei, einem der beliebtesten Götter im Hinduismus.
„You must see the temple!“, meinte er – und wer bin ich, einem Inder zu widersprechen, wenn es um Gottheiten geht?
Also hielten wir am Krishna Janmabhoomi Tempel, dem heiligsten Ort der Stadt.
Innen fotografieren? Streng verboten.
Bevor man hinein darf, muss man Rucksack, Handy und Kamera abgeben. Selbst Schuhe sind tabu – aber dass ich auch noch meine Socken ausziehen musste, kam überraschend.
Barfuß stieg ich die Treppen hinauf. "Nicht an den verschmutzten und verspuckten Boden denken!" Zu spät. Indisches Gefühl eben.
Krishna gilt als die achte Inkarnation des Gottes Vishnu, einer der drei Hauptgötter im Hinduismus.
Er soll etwa 3.000 Jahre vor Christus gelebt haben – ein göttlicher Held, Musiker, Liebhaber und Lehrer zugleich.
Er steht für Lebensfreude, Liebe und Weisheit, und wird oft blau dargestellt – die Farbe des Himmels und des Unendlichen.
Seine Lehren prägen bis heute das spirituelle Leben vieler Menschen – nicht nur in Indien, sondern weltweit.


Der Tempel in Mathura ist ein wichtiger Pilgerort, der jedes Jahr Millionen Gläubige anzieht.
Frauen in bunten Saris sangen lautstark Mantras, Männer klatschten im Rhythmus, Räucherstäbchen qualmten – eine bunte Mischung aus Glaube, Klang und Chaos.
Ich stand mittendrin, barfuß, verschwitzt, leicht überfordert – aber fasziniert.
Fünf Stunden nach der Abfahrt erreichten wir schließlich wieder mein Hotel in Delhi.
Und jetzt wollt ihr sicher wissen: Was hat der Spaß gekostet?
Inklusive Trinkgeld, Mautgebühren und Tempel-Umweg – unter 45 Euro!
Und das für eine Strecke von fast 200 Kilometern plus Rückfahrt für den Fahrer.
Ich bezweifle, dass ich in Wien dafür überhaupt aus dem Parkhaus gekommen wäre.
Am nächsten Morgen beschloss ich, Delhi richtig kennenzulernen.
Das Hotelfrühstück ließ ich lieber aus – zu groß war das Risiko einer „Erleuchtung“ im Magen.
Stattdessen zog es mich in eine weltbekannte Kaffeekette, die hier fast Luxus ist.
Ein Cappuccino kostet fast so viel wie in Österreich, was erklärt, warum fast nur Touristen dort sitzen.
Vor dem Café bot mir ein Mann an, meine Schuhe zu putzen. Wozu?
Nach zehn Metern wären sie ohnehin wieder staubig gewesen.
Mein erstes Ziel war der imposante Swaminarayan Akshardham Tempel, eines der größten hinduistischen Tempelkomplexe der Welt.
Fotografieren war – natürlich – verboten, aber allein der Anblick von außen ist atemberaubend: feinste Steinschnitzereien, goldene Kuppeln, Wasserbecken, überall Gebetsgesänge.
Der Tempel wurde 2005 eröffnet und ist nicht alt, aber architektonisch ein Meisterwerk moderner Spiritualität.
Er wirkt fast surreal in dieser chaotischen Stadt – ein Ort der Ruhe im Lärmmeer.
Weiter ging’s per Tuk Tuk.
Doch der Fahrer wollte das Sechsfache des Uber-Preises – man verhandelt hier mehr als man fährt.
Am Ende einigten wir uns auf umgerechnet zwei Euro und ich wurde einem jungen Burschen zugeteilt, der – so schien es – Delhi zum ersten Mal sah.
Er verfuhr sich mehrmals.
Mein nächster Halt: Humayun’s Tomb.
Dieser prachtvolle Bau war das Mausoleum des Mogulkaisers Humayun, errichtet im Jahr 1570.
Er gilt als architektonischer Vorläufer des Taj Mahal – gleiche Symmetrie, ähnliche Kuppeln, nur aus rotem Sandstein statt Marmor.
Der Garten drumherum ist herrlich grün, die Atmosphäre ruhig, fast meditativ.
Hier sieht man, dass Indien nicht nur laut und chaotisch, sondern auch erhaben und poetisch sein kann.
Der Tag neigte sich dem Ende zu.
Langsam hatte ich sogar Gefallen am Tuk Tuk-Fahren gefunden – es ist laut, stickig und lebensgefährlich, aber auch irgendwie… befreiend.
Zurück im Stadtzentrum kam ich zum Central Park – dem Herz von Neu-Delhi.
Hier flattern überall Nationalfahnen, darunter eine gigantische Trikolore-Indienflagge, die im Wind weht.
Ringsum befinden sich Shops westlicher Marken, aber der Kontrast zu Armut und Müll ist auch hier unübersehbar.
Ich wollte nur kurz in den Levi’s-Store, kam aber nach einer Minute wieder raus –  fast gleiche Preise wie daheim, dafür deutlich mehr Staub vor dem Schaufenster.
Putin Freunde, ihr müsst jetzt stark sein.
Vor einem kleinen Buchladen entdeckte ich Landkarten zum Verkauf.
Ich  staunte:
Die Ukraine war völkerrechtlich korrekt eingezeichnet, inklusive Krim und Donbass.
Ausgestellt von der indischen Regierung, 2025.
Obwohl Russland ua mit Indien bei den sogenannten "BRICS-Staaten" sind, erkennt auch das größte Land dieses Staatenbundes, (China ist nicht mehr das Einwohnerstärkste Land der Welt), die vom trottel aus Moskau gezogene Grenze nicht an. Was für ein Zusammenhalt dieser Staaten. Und der Idiot träumt tatsächlich von der gemeinsamen Währung namens "BRICS".  Gut, er muss ja seine Bürger auch bei Laune halten. Scherze wie diese fordern ja direkt zum Lachen auf. Von diesem sogenannten "BRICS-Staaten" und russischen Einfluss, merkte ich überhaupt nichts, während der britische Einfluss nicht nur durch englische Wörter leicht erkennbar ist. Sogar Österreich ist, dank eines nergy drink fast überall sichtbar.
Am Abend traute ich mich dann doch in ein indisches Restaurant.
Die Speisekarte klang wie ein Abenteuer – von Butter Chicken über Paneer Masala bis Naan Brot in allen Variationen.
Die indische Küche ist berühmt für ihre Gewürze: Kreuzkümmel, Kurkuma, Chili, Kardamom, Ingwer, Koriander – alles duftet, alles schmeckt intensiv.
Schärfe ist hier kein Geschmack, sondern eine Lebenseinstellung.
Auf dem Rückweg zum Hotel begegnete mir wieder dasselbe Bild:
Straßenhunde, Müll, hupende Tuk Tuks, Kühe und Menschen, die in Decken gehüllt auf der Straße schliefen.
Manche ganze Familien, mit kleinen Kindern. 30, 40 Menschen lagen aufgereiht am Straßenrand und schliefen.
Manche schlafen auf Tuk-Tuk-Rückbänken, andere einfach auf dem Asphalt.
Die Armut kennt hier kein Alter – und keinen Schlafplatz.
In meiner Gasse waren einige Bars und forderten mich direkt zum Eintritt auf.  Und dann stand ich in der Bar.  Eine Art Garage mit überdrehter Musik Anlage.  Ich gönnte mir ein Kingsfischer Bier.  Leute, auch wenn es hier nur etwas mehr als 2 Euro kostet, es schmeckt einfach nicht! Um 1 Uhr ist sperrstunde. Aber nicht so wie bei uns, mit Überziehung, sondern um 00.55 wurde alle aus der Garage, ah, ich meine Bar, rausgebeten. Da ich mein Bier noch nicht ausgetrunke habe, warum wohl, bekam ich beim Ausgang ein Sackerl, damit im freien niemand mein Bier sehen kann.
Am nächsten Morgen wollte ich mir den Central Park noch einmal bei Tageslicht ansehen.
Jetzt, im Sonnenlicht, wirkte er fast friedlich – Menschen saßen auf Bänken, Kinder spielten, und über allem wehte eine riesige indische Nationalflagge, fast 30 Meter hoch.
Sie flatterte majestätisch im Wind, als wollte sie sagen: „Ja, hier ist Chaos – aber es ist unser Chaos!“
Ich spazierte weiter Richtung India Gate, einem 42 Meter hohen Triumphbogen aus Sandstein.
Er wurde 1931 zum Gedenken an über 70.000 indische Soldaten erbaut, die im Ersten Weltkrieg für das damalige Britische Empire gefallen waren.
Heute ist das India Gate ein Symbol für nationalen Stolz und Treffpunkt für Familien, Touristen und Eisverkäufer zugleich.
Von dort ging ich Richtung Regierungsviertel – ein Gebiet voller imposanter Gebäude, breiter Boulevards und überraschend viel Ruhe.
Hier stehen das Parlamentsgebäude, der Sitz des Premierministers, und der Rashtrapati Bhavan, der prunkvolle Amtssitz des indischen Präsidenten.
Ich schaffte es, völlig unbewusst, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen – und wurde prompt gestoppt.


Der Polizist sprach kein Englisch, aber seine Handbewegung war international verständlich: Zurück!
Ich grinste, murmelte ein „Sorry“, und suchte mir einen anderen Weg.
Fünf Minuten später stand ich wieder vor ihm.
Er schaute mich an, ich ihn – und ich meinte nur:
„Vielleicht solltest du deinen Job etwas ernster nehmen, mein Freund.“
Dann sprang ich ins nächste Tuk Tuk.
Der Fahrer, ein älterer Mann mit gutem Humor, bot mir eine „City Tour“ an – eine Stunde, alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, Hop-on-Hop-off auf indisch.
Klingt gut, dachte ich, und wir fuhren los.
Erster Halt war das Indira Gandhi Memorial Museum.
Es befindet sich im ehemaligen Wohnhaus der ehemaligen Premierministerin Indira Gandhi, die 1984 von ihren eigenen Leibwächtern ermordet wurde.
Das Museum zeigt ihr Leben, ihre Arbeit und den Ort, an dem sie starb – im Garten markieren gläserne Platten ihren letzten Weg.
Es war überfüllt, stickig, und ich konnte kaum etwas lesen – aber die Stimmung war still und respektvoll.
Man spürt, dass sie für viele Inder eine Märtyrerin und Mutterfigur bleibt.
Nächster Halt: das Gandhi Smriti Museum, ebenfalls ein ehemaliges Wohnhaus – diesmal von Mahatma Gandhi selbst.
Hier verbrachte er seine letzten 144 Tage, bevor er 1948 ermordet wurde.
Gandhi war der Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, ein Mann der Gewaltlosigkeit und des zivilen Widerstands.
Er kämpfte mit Worten, Fasten und Würde – nicht mit Waffen.
Sein Geist scheint in diesem Haus immer noch zu schweben, zwischen den Zitaten an den Wänden und den leisen Schritten der Besucher.
Ein Ort, an dem man kurz innehält und versteht, dass große Veränderungen manchmal mit Stille beginnen.
Weiter ging’s zum Agrasen ki Baoli, einer uralten, etwa 60 Meter langen Stufenbrunnenanlage mitten im Zentrum von Delhi.
Sie wurde vermutlich im 14. Jahrhundert erbaut und diente einst als Wasserreservoir – heute ist sie ein stiller, fast mystischer Ort zwischen den Hochhäusern.
Man steigt über 108 Stufen hinab in die Tiefe, umgeben von Tauben und kühler Luft.
Die Atmosphäre ist magisch – kein Lärm, kein Hupen, nur Geschichte und Stein.
Kein Wunder, dass Bollywood diesen Ort regelmäßig als Kulisse nutzt.
Zum Schluss brachte mich der Tuk-Tuk-Fahrer zum mächtigen Red Fort, der roten Festung von Delhi.
Dieses UNESCO-Weltkulturerbe wurde 1648 von Mogulkaiser Shah Jahan – ja, derselbe, der auch den Taj Mahal bauen ließ – errichtet.
Die Festung ist riesig: über 2,5 Kilometer Mauern, aus rotem Sandstein, mit kunstvollen Toren, Palästen und Gärten.
Hier verkündet jedes Jahr am 15. August der Premierminister die Rede zur Unabhängigkeit Indiens – es ist also ein symbolischer Ort für Freiheit und Stolz.
Während draußen Händler Souvenirs anboten und Rikschas um Kundschaft kämpften, spazierte ich durch die alten Gemäuer und spürte, wie sich Jahrhunderte indischer Geschichte in der warmen Luft sammelten.
Als ich das Red Fort verließ, fühlte ich mich gleichzeitig erschöpft und erfüllt.
Ich hatte in wenigen Tagen mehr erlebt, gesehen und gerochen, als ich mir erwartet habe.
Zurück im Hotel holte ich meinen Rucksack und machte mich auf zum Flughafen – diesmal mit dem modernen Airport Express Train.
Für umgerechnet 80 Cent war das die bequemste Fahrt meiner gesamten Indienreise – sauber, klimatisiert, pünktlich.
Leider hatte ich mich mit der Abflugzeit vertan und war über sechs Stunden zu früh am Flughafen.
Aber in Indien lernt man Geduld – spätestens, wenn man an einer Ampel steht, die keiner beachtet.
Über Dubai (2 Cola Barcadi zum Frühstück in der Lounge - wie immer am DXB) ging es schließlich zurück nach Hause.
Beim Starten schaute ich aus dem Fenster und sah noch einmal die Skyline von Dubai mit dem Burj Khalifa im Mondlicht.
Mittlerweile ein  für mich vertrauter Anblick.
Und ich wusste: Lange werde ich nicht daheim bleiben.
Irgendwo wartet schon das nächste Abenteuer  und vielleicht startet heute noch der nächste Flieger...