Kasachstan
(2. Halt der November Reise 24 - 1. Halt: Kigiristan)
Am Mittwochabend erreichten wir die ehemalige kasachische Hauptstadt Almaty. Gleich zu Beginn wurden wir mit einem negativen Ereignis konfrontiert. Leider fiel ich auf einen betrügerischen Taxifahrer herein und zahlte einen viel zu hohen Preis. Für mich ist es nach Kostanai 2008 und Astana 2012 bereits die dritte Reise nach Kasachstan. Damals war ich auch noch jünger, und wer damals dabei war weiß noch, wie diese Reisen eskalierten. Aber ja, wir waren jung und es schien fast, als wäre es uns vorgeschrieben, dass es eskalieren musste. 2024 wird es definitiv ruhiger. Geschockt von diesem Taxi-Betrug, ging es direkt ins nächste Pub. Ein halbes heimisches Bier aus der Dose kostet hier ungefähr 5 Euro. Nach dem Pub überfiel uns der Heißhunger, und wir wollten zum McDonald's, der auf dem Heimweg lag. Wegen der Sanktionen gegenüber Russland aufgrund des russischen Krieges hat McDonald's seine Filialen auch in Kasachstan geschlossen. Die Nachfolgekette ist preislich etwa gleich und auch das Interieur und Layout sind sehr ähnlich. Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass McDonald's bei uns schlecht ist, dann kommt mal nach Kasachstan. Die Burger, die wir aßen, schmeckten wie Zeitungspapier mit Ketchup.
Am nächsten Morgen starteten wir eine geführte Walking-Tour durch Almaty. Mit der U-Bahn gelangten wir zum Treffpunkt. Eine Fahrt kostet etwa 23 Cent. Die U-Bahn sowie die gesamte Stadt befinden sich in einem sehr sauberen Zustand. Die Bewohner hier wissen, dass Müll auf der Straße nichts verloren hat. Zuerst besuchten wir die Christi-Himmelfahrtskirche. Die russisch-orthodoxe Kirche, erbaut zwischen 1904 und 1907, ist ein prächtiges Beispiel für die Architektur jener Zeit und zieht nicht nur Gläubige, sondern auch Touristen an. Besonders beeindruckend ist die Ikonostase, die aus zahlreichen religiösen Darstellungen besteht. Es ist eines der größten Holzgebäude der Welt, das ohne einen einzigen Nagel gebaut wurde.
Weiter ging es zum Grünen Markt. Dieser Markt, auch bekannt als "Zelenyy Rynok", ist ein lebendiger Ort, der von den Einheimischen und Touristen gleichermaßen geschätzt wird. Hier findet man eine beeindruckende Vielfalt an frischen Produkten, Gewürzen, Trockenfrüchten und lokalen Spezialitäten. Besonders die Auswahl an Nüssen und getrockneten Früchten ist bemerkenswert, da Kasachstan auch für seine Nüsse bekannt ist.
Wir machten Halt beim sowjetischen Denkmal für den Zweiten Weltkrieg. Dort findet man unter anderem die Worte "Russland ist großartig und hinter Moskau gibt es keinen Weg zurück". Was das mit Kasachstan zu tun hat, konnte mir der Tourguide leider nicht erklären. Gegenüber Kasachstan finde ich solche Worte, die einem Kniefall vor Moskau darstellen, nicht besonders angebracht Wir spazierten weiter.
Almaty hat rund 2 Millionen Einwohner und war bis 1997 die Hauptstadt Kasachstans, bevor die Regierung entschied, die Hauptstadt nach Akmolinsk, heute Astana (später Nur-Sultan), zu verlegen. Diese Entscheidung wurde getroffen, um die geografische Lage näher an die zentraleren Teile des Landes zu verlegen und um die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region zu fördern. Almaty ist jedoch weiterhin das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.
Der letzte Punkt der Tour war die größte Moschee von Almaty, die Zentralmoschee. Obwohl Kasachstan ein überwiegend muslimisches Land ist (über 70 % der Bevölkerung sind Muslime), sieht man in Almaty nur wenige Frauen, die ein Kopftuch tragen oder verschleiert sind. Dies liegt an der säkularen Ausrichtung des Landes, in dem Religion zwar einen wichtigen Platz im Leben der Menschen hat, aber in der Öffentlichkeit oft zurückhaltend praktiziert wird. Kasachstan hat eine lange Geschichte des religiösen Pluralismus, was zu einer gemäßigten Ausprägung des Islam führt. Die Mehrheit der Muslime in Kasachstan gehören dem sunnitischen Islam an, mit einer kleinen Minderheit von Schiiten.
Nach der Tour begannen unsere Vorbereitungen für das Länderspiel. Dass dies im Pub gemacht wird, ist selbstverständlich. Um 20:00 Uhr war Anpfiff und die Außentemperatur betrug minus 5 Grad. Laut Medienberichten schafften es etwa 170 Österreicher ins Zentralstadion von Almaty. Mit zwei Toren in der ersten Halbzeit und einer roten Karte für Kasachstan war das Spiel bereits nach 45 Minuten für den Favoriten aus Mitteleuropa entschieden.
Unser Sektor war von Polizisten umzingelt, die alle in komplett schwarzen Uniformen gekleidet waren. Dies hatte den beabsichtigten Effekt, dass man zwischen den Polizisten und den Zivilisten kaum unterscheiden konnte. In einer Demonstration könnte dies ein erheblicher Vorteil für die Staatsgewalt sein.
Nach dem Spiel gingen wir noch essen. Günstig ist es hier nicht. Ein Burger (diesmal verzichteten wir auf den McDonald's-Nachfolger) mit Bier kostet etwa 20 Euro.
Am Freitag mussten wir sehr früh aufstehen, da um 5 Uhr unser Bus zu einem großen Ausflug starten sollte. Leider unterlief mir ein Fehler, und ich hatte die Tour für Samstag gebucht. Also durften wir wieder ins Bett und starteten am Vormittag das für Samstag geplante Programm. Zuerst ging es zum Freiluft-Eisstadion Medeu, das 15 km südöstlich der Stadt liegt. Hier können Menschen eislaufen und von hier führt eine aus Österreich stammende Seilbahn den Berg hinauf. Um auf 2.800 Meter zu gelangen, muss man jedoch die Seilbahn wechseln. Die Berge sind bereits gut mit Schnee bedeckt, und viele Menschen waren unterwegs. Doch wir sahen nur einen einzigen Skifahrer. Oben angekommen gibt es einen Schlepplift, der jedoch derzeit geschlossen ist. Der Schnee lag teilweise bis zu kniehoch.
Das Tian Shan Gebirge, das sich über Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan erstreckt, ist für seine atemberaubenden Ausblicke und seine außergewöhnliche Flora und Fauna bekannt. Es ist ein Paradies für Wanderer, Kletterer und Naturliebhaber. Einige Gipfel erreichen Höhen von über 7.000 Metern.
Wir hatten das Glück, dass wir trotz der Minusgrade Sonnenschein hatten, so konnten wir den wunderbaren Ausblick auf die Berge genießen.
Als nächstes stand der Hausberg von Almaty, Kok Tobe, auf dem Programm. Diese Seilbahn fährt direkt von der Stadt weg und bringt uns auf den Gipfel. Oben angekommen, durften wir einen herrlichen Blick auf Almaty und die umliegenden Berge genießen. Kok Tobe ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen, mit verschiedenen Freizeitmöglichkeiten, darunter ein kleiner Vergnügungspark und Restaurants. Der Berg bietet einen spektakulären Panoramablick auf die Stadt.
Als letzter Programmpunkt besuchten wir den Family Park, wo man stillgelegte militärische Geräte findet. Unter anderem steht hier ein T-55 Panzer, der aktuell von Russland im russischen Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wird, um Menschen zu töten. Auch ein sowjetisches Kampfflugzeug des Typs MiG-21, von denen über 10.000 Exemplare gebaut wurden, ist in diesem Park zu sehen. Für uns war der Tag gelaufen, da wir bekanntlich am nächsten Morgen wieder früh auf mussten.
Diesmal war unsere Buchung gültig und kurz nach 5 Uhr morgens fuhr der Bus los. Die Tour wurde mit einem "gemütlichen Bus" beworben, was aber leider nicht der Realität entsprach. Die Sitze waren klein und unbequem und es schien, als würde der Fahrer jedes Schlagloch mitnehmen. Jeder Meter war eine Herausforderung für den Rücken, aber die Aussicht auf das, was uns bevorstand, hielt uns bei Laune.
Mit dem ersten Sonnenstrahl erreichten wir schließlich den Charyn Canyon, eines der bekanntesten Naturwunder Kasachstans. Der Canyon, auch als "kleines Grand Canyon" bezeichnet, erstreckt sich über 154 Kilometer und ist für seine beeindruckenden Felsenformationen und die tiefen Schluchten bekannt. Die geologischen Schichten des Canyons reichen Millionen Jahre zurück und bieten einen faszinierenden Einblick in die Erdgeschichte. Der Canyons' rötlich-braune Gestein hebt sich dramatisch vom blauen Himmel ab und bildet eine perfekte Kulisse für Wanderungen und Fotos. Wir spazierten durch den Canyon, und unser Tourguide erzählte uns vom Leben in Kasachstan. Ein interessantes Detail, das er teilte: In kasachischen Städten darf man in der Öffentlichkeit nur an sehr wenigen Stellen rauchen – eine Regelung, die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit eingeführt wurde. Wer jetzt denkt "diese böse EU", nein – Kasachstan ist nicht in der EU, sondern verfolgt eigene Umwelt- und Gesundheitsstrategien. Und das merkt man Raucher und Zigarettenstummel sieht man nahezu nicht. Zu diesem Zeitpunkt waren wir weniger als 100 Kilometer zur chinesischen Grenze entfernt.
Unser nächster Halt war der Black Canyon, ein weniger bekannter, aber genauso beeindruckender Ort. Dieser Canyon ist besonders für seine dunklen Felsen und steilen Wände bekannt, die dem Gebiet eine mystische und fast unheimliche Atmosphäre verleihen. Das Tal wird von tiefen Schluchten durchzogen, die aus Basaltgestein bestehen und dem Canyon seinen Namen verleihen. Die Landschaft hier ist rauer, weniger touristisch erschlossen, was ihm einen ganz besonderen Charme verleiht.
Nach einem kurzen Zwischenstopp fuhren wir weiter in die Nähe des Dorfes Saty, von wo aus wir zum Kaindy See gelangten. Um dorthin zu gelangen, mussten wir auf einen alten sowjetischen KAwZ-3976 Bus umsteigen. Diese Fahrzeuge, berühmt für ihre Robustheit und Allwettertauglichkeit, sind besonders für Offroad-Strecken geeignet. Komfort oder soetwas ähnliches wie Komfort wird in so einem Bus genauso wenig geboten wie Sicherheit. Ab diesem Punkt hieß es nun "Offroad"! Die winterliche Landschaft war wunderschön, der Boden jedoch nicht vollständig gefroren, was die Fahrt durch den schlammigen Untergrund besonders holprig machte. Die Schneedecke war dünn, und der Matsch machte die Fahrt zusätzlich ruckelig. Für die 12 Kilometer brauchten wir fast 30 Minuten.
Am Sammelplatz angekommen, erklärte man uns, dass wir entweder die 3 Kilometer zu Fuß gehen könnten oder für 500 kasachische Tenge (ca. 1 Euro) mit einem anderen alten UAZ-Bus weiterfahren könnten. Für die abenteuerlustigeren gab es auch noch die Möglichkeit, für 6.000 KZT auf einem Pferd zum See zu gelangen. Das mit dem Pferd wollte wegen den Vorfällen in Kirgisistan niemand von unserer Gruppe riskieren und so fuhren wir mit dem UAZ-Minibus weiter. Dennoch mussten wir die letzten Meter zu Fuß zurücklegen. Der Anblick des Kaindy Sees war atemberaubend. Der See, in den Bäume stehen, die wie Geister aus dem Wasser ragen, war mit einer leichten Eisschicht bedeckt. Einige Stellen des Sees waren bereits zugefroren, während andere Bereiche noch das klare Wasser zeigten. Das Ganze wurde von einem wolkenlosen Himmel und strahlendem Sonnenschein begleitet – eine perfekte Winterlandschaft, die den gesamten stressigen Aufwand der Reise vergessen ließ.
Zu zweit entschieden wir uns, den Rückweg zu Fuß anzutreten. Der Weg war nicht beschildert, aber es war dennnoch einfach: Nur den Fluss folgen und man erreicht den Parkplatz dort, wo die Pferde stehen. Wenn wir diesen Weg vorher gekannt hätten, hätten wir uns die holprige teure 1 Euro Fahrt mit dem Minibus gespart.
Es war Zeit für das Mittagessen und wir wurden zu einer Jurte gefahren, einem traditionellen kasachischen Zelt. Drinnen setzten wir uns auf den Boden und aßen nach traditioneller Art. Unser Guide erklärte uns nicht nur, wie eine Jurte aufgebaut wird, sondern auch die Bedeutung der Kasachischen Flagge und ihrer Symbole, darunter der goldene Adler und das Sonnenrad.
Der letzte Halt der Tour war der Kolsay See, der sich malerisch in den Bergen befindet. Dieser See, oft als "Perle der Zhetysu-Region" bezeichnet, wird von steilen Berghängen umgeben und ist besonders für Wanderungen und Naturfreunde ein Paradies. Das klare, tiefblaue Wasser des Sees steht im Kontrast zu den grünen Wäldern und schneebedeckten Gipfeln der umliegenden Berge. Es war der perfekte Abschluss für einen langen und ereignisreichen Tag.
Gegen 21:00 Uhr, nach einem langen, aber wundervollen Tag, endete dieser Tagesausflug. Aber nicht unsere Reise. Wir mussten am Abend noch packen, da es am Sonntag mit dem Flugzeug weiterging.....