Kigiristan
Auf zu neuen Horizonten.....
Am Samstag brachen wir zu viert auf in Richtung Istanbul, einer Stadt, in der ich fast als Fremdenführer arbeiten kann. Wegen der fast neunstündigen Wartezeit auf unseren Anschlussflug entschieden wir uns, das Abenteuer früher zu beginnen und nahmen ein Taxi zum Hafen von Üsküdar.
Highlight Nummer 1: Die Schifffahrt über den Bosporus – ein unvergessliches Erlebnis, das uns von Asien nach Europa führte. Während die Fähre durch das Wasser glitt, eröffnete sich vor uns ein atemberaubender Blick auf die imposante Skyline Istanbuls. Der majestätische Verlauf des Bosporus, umrahmt von historischen Palästen und modernen Hochhäusern, ließ uns ehrfürchtig innehalten. Ein Moment, in dem die Grenzen zwischen zwei Kontinenten und Kulturen nahezu verschwammen, und wir uns ganz der Magie dieses einzigartigen Ortes hingaben.
In Europa angekommen, fuhren wir weiter zur Hagia Sophia, einem der ikonischsten Wahrzeichen Istanbuls, das wie kaum ein anderes die wechselvolle Geschichte der Stadt widerspiegelt. Diese ehrwürdige Moschee, die einst als prächtige Kirche erbaut wurde, ist ein wahres Meisterwerk der Architektur. Sie wurde 537 unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I. als Hagia Sophia (Heilige Weisheit) errichtet und war über fast 1.000 Jahre hinweg die größte Kirche der Welt. Ihr opulentes Inneres, mit goldenen Mosaiken und monumentalen Kuppeln, zog Gläubige und Besucher aus aller Welt an.
Nach der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen im Jahr 1453 wurde die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt, was nicht nur einen religiösen, sondern auch einen kulturellen Umschwung markierte. Die großen christlichen Mosaiken wurden mit kunstvollen islamischen Elementen ergänzt, wodurch ein faszinierender Mix aus zwei Welten entstand. Die Hagia Sophia stand fortan als Symbol für das Zusammenspiel von Christentum und Islam, vereinte Geschichte, Kunst und Glauben in einer einzigartigen Weise.
Bei meinen früheren Besuchen in Istanbul war der Eintritt in die Hagia Sophia stets kostenfrei. Doch seit kurzem wird ein Eintritt von stolzen 25 Euro verlangt, was den Besuch für viele zu einer etwas teureren Erfahrung macht. Trotz dieses Preises bleibt der Besuch der Hagia Sophia ein unvergessliches Erlebnis, das die Geschichte von zwei großen Zivilisationen in sich trägt und einen tiefen Einblick in die religiösen und kulturellen Wurzeln der Stadt bietet.
Nach einer kurzen Abendessen-Pause ging es weiter zum Versunkenen Palast, der nur wenige Meter entfernt liegt. Dieser geheimnisvolle Ort, auch als Yerebatan Sarnıcı bekannt, ist ein unterirdischer Wasserspeicher aus der byzantinischen Ära, der im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. erbaut wurde. Mit seinen imposanten Säulen, die aus den Tiefen des kühlen, bläulich schimmernden Wassers emporragen, wirkt der Palast wie eine andere Welt – ein faszinierendes Beispiel für die Ingenieurskunst des Byzantinischen Reiches.
Die geheimnisvolle, fast mystische Atmosphäre hat den Versunkenen Palast zu einem beliebten Drehort gemacht. Besonders bekannt wurde er durch seine Rolle in dem James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963), in dem Sean Connery als Agent 007 durch die Hallen des Wasserreservoirs schlich. Auch in anderen Filmen und TV-Serien taucht der Palast immer wieder auf, sei es als symbolträchtiger Ort oder als Teil einer spannungsgeladenen Handlung. Der schummrige Lichteinfall und die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche verleihen dem Raum eine fast surreal wirkende Schönheit, die sowohl Filmemacher als auch Besucher in ihren Bann zieht.
Der Versunkene Palast ist ein faszinierendes Beispiel für die Verschmelzung von Geschichte und Mythos, und auch wenn man keine Filmszenen erwartet, fühlt man sich hier ein wenig wie ein Teil eines geheimen Abenteuers.
Danach machten wir uns auf den Weg zurück zum Flughafen. Wir bestellten ein Taxi, doch unsere Fahrt begann alles andere als reibungslos. Der Fahrer verlangte plötzlich mehr als das Doppelte des in der App angegebenen Preises. Wirklich? Hätten wir uns einfach damit abgefunden? Es verwunderte mich, dass es offenbar Touristen gibt, die sich solchen überzogenen Forderungen gefallen lassen. Zum Glück blieben wir hartnäckig und klärten die Angelegenheit in dem wir ausstiegen und ein anderes Taxi nahmen.
In der Flughafen-Lounge angekommen, gönnten wir uns noch einen entspannten Moment. Wir sorgten dafür, dass das Biervorrat aufgebraucht wurde – schließlich wollten wir den Abend gebührend ausklingen lassen. Um Mitternacht schließlich hoben wir in Richtung Osten ab, auf dem Weg zu neuen Abenteuern.
Nach dem vierstündigen Nachtflug, in dem ich das Vergnügen hatte, neben einem riesigen Basketballspieler zu sitzen, landeten wir bei Sonnenaufgang in Bischkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Der Flug war lang, und der enge Platz neben dem hochgewachsenen Mitreisenden ließ wenig Raum für Komfort, aber die Aussicht auf die ersten Sonnenstrahlen, die die Berggipfel um Bischkek in goldenes Licht tauchten, entschädigte für alles.
Vor der Passkontrolle mussten wir beim Duty-Free-Shop vorbeigehen. Alle Preise waren nur in Euro angegeben, nicht in der heimischen Währung, dem Som – genau wie bei der von uns gewählten Türkischer Fluglinie, wo ebenfalls ausschließlich Preise in Euro und nicht in Türkischer Lira (TRY) angezeigt werden. Es scheint, dass die Türkei auf ihre eigene Währung weniger setzt und stattdessen den Euro als internationale Referenzwährung bevorzugt. Gleichzeitig träumen einige Akteure von der Einführung einer sogenannten BRICS-Währung, die als alternative Währung zu den dominierenden globalen Finanzsystemen und dem US-Dollar fungieren könnte.
Im Hotel angekommen, wurde uns sofort ein Frühstück serviert, und wir nutzten die Gelegenheit, um unseren dringend benötigten Schlaf nachzuholen. Am Nachmittag holte uns unser Tourguide direkt im Hotel ab, um uns die Stadt zu zeigen. Die Suche nach einem geeigneten Guide für diese Reise war alles andere als einfach. Nicht nur in Bischkek stellten sich die Preise als eine Herausforderung heraus: Für einen 2- bis 3-stündigen Stadtrundgang verlangten die meisten Agenturen mindestens 40 Euro pro Person – ein Preis, der meiner Meinung nach deutlich überzogen war.
Doch mit ein wenig Verhandlungsgeschick und einigen kreativen Lösungsansätzen konnte ich schließlich akzeptable Preise aushandeln, die sowohl für uns als auch für den Guide fair waren.
Wir besuchten die Moschee von Bischkek, ein beeindruckendes Bauwerk, das 2017 eröffnet wurde und großzügig von der Türkei finanziert wurde. Diese Moschee, mit ihrer prächtigen Architektur und den hohen Minaretten, ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt und ein Symbol für die religiöse Bedeutung der Region. Ihr modernes Design in Kombination mit traditionellen Elementen machte sie zu einem faszinierenden Ziel für unseren Rundgang.
Anschließend spazierten wir durch mehrere der grünen Oasen Bischkeks, die mit ihren weitläufigen Parks und ruhigen Seen eine willkommene Erholung vom Stadtleben bieten. Aziz, unser Tourguide, versorgte uns während des Spaziergangs immer wieder mit spannenden Informationen über die Geschichte der Stadt, die Kultur Kirgisistans und das tägliche Leben der Einheimischen. Mit seinem fundierten Wissen und seiner Begeisterung für seine Heimat brachte er uns die Stadt auf eine sehr persönliche und lebendige Weise näher.
Kirgisistan ist ein Land in Zentralasien, das sich durch seine atemberaubende Natur, seine Geschichte und seine kulturelle Vielfalt auszeichnet. Es grenzt an Kasachstan im Norden, Usbekistan im Westen, Tadschikistan im Süden und China im Osten. Mit einer Fläche von rund 199.900 Quadratkilometern ist es etwa so groß wie Frankreich, aber deutlich kleiner als Österreich. Die Hauptstadt des Landes ist Bischkek, das im Norden nahe der Grenze zu Kasachstan liegt.
Die Bevölkerung Kirgisistans zählt etwa 6,7 Millionen Menschen, die vorwiegend kirgisisch sprechen. Als offizielle Sprache ist auch Russisch anerkannt. Der Großteil der Bevölkerung ist muslimisch, vorwiegend sunnitisch. Alkohol wird dennoch getrunken und Frauen mit Kopftüchern sieht man gar nicht. Die kirgisische Kultur ist stark von der nomadischen Tradition geprägt, was sich in der Musik, den Reitkünsten und der Küche widerspiegelt. Zu den traditionellen Gerichten gehören Pilaw, Beshbarmak und Kumis (fermentierte Stutenmilch).
Kirgisistan hat eine starke Bergbauindustrie, vor allem Gold, und eine landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft. Das Land ist auch bekannt für seine beeindruckende Natur, darunter das Tian-Shan-Gebirge, zahlreiche Bergseen wie der Issyk-Kul-See und weite Steppenlandschaften.
Der Zeitunterschied zu Wien beträgt im Winter +4 Stunden und im Sommer +5 Stunden, da Kirgisistan in der Kirgisischen Standardzeit (UTC+6) liegt. Die Entfernung von Wien nach Bischkek beträgt etwa 4.300 Kilometer, und ein Direktflug dauert rund 6 bis 7 Stunden.
Kirgisistan erlangte 1991 die Unabhängigkeit von der Sowjetunion und ist heute eine Präsidialrepublik. Das Land hat mehrere politische Umbrüche und Regierungswechsel erlebt, aber bleibt ein faszinierendes Reiseziel mit einer tief verwurzelten kulturellen Identität und beeindruckender Natur.
Die neue Flagge von Kirgisistan, die 2021 leicht geändert wurde, behält die grundlegende Struktur und Symbolik der ursprünglichen Flagge bei, wurde jedoch mit einer präziseren und detaillierteren Darstellung des zentralen Symbols angepasst. Die Flagge hat einen roten Hintergrund, der für Mut, Tapferkeit und die Unabhängigkeit des Landes steht.
Im Zentrum der Flagge befindet sich ein goldenes Symbol, das eine traditionelle kirgisische Jurte darstellt. Die Jurte wird durch ein Symbol aus 40 Strahlen repräsentiert, die das innere Design des Jurtendachs widerspiegeln. Die Zahl 40 hat eine tiefe kulturelle Bedeutung, da sie auf die 40 Stämme der Kirgisen verweist, die sich zu einem vereinten Volk zusammenschlossen. Der Entwurf des Sonnenrads wurde in der neuen Version der Flagge detaillierter und präziser ausgearbeitet, um die ursprüngliche Bedeutung besser zu veranschaulichen.
Diese kleinere Anpassung der Flagge soll die nationale Identität und den historischen Bezug zu den traditionellen Werten Kirgisistans weiter stärken und verdeutlichen.
Aziz erklärte uns, dass er davon ausgeht, dass unter dem neuen Präsidenten noch mehr positive Veränderungen eintreten werden. Es wird erwartet, dass vermehrt Investoren aus dem Ausland in das Land kommen. In Bishkek sind bereits zahlreiche Baustellen sichtbar, was auf die zunehmende Entwicklung und Modernisierung der Stadt hinweist. Bishkek, mit über 1 Million Einwohnern, spielt eine zentrale Rolle als wirtschaftliches und politisches Zentrum des Landes und zieht zunehmend internationale Aufmerksamkeit an.
Wir spazierten an mehreren Denkmälern vorbei, darunter eines zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg, eines von Lenin sowie ein Denkmal, das an die Revolution von 2010 erinnert. Das Denkmal für den Zweiten Weltkrieg, oft als „Ewiges Feuer“ bezeichnet, ist ein symbolisches Mahnmal für die vielen Opfer des Krieges. Das Lenin-Denkmal, obwohl es in vielen ehemaligen Sowjetstaaten nach dem Ende der Sowjetunion abgebaut wurde, bleibt in Bishkek ein bedeutendes Wahrzeichen der sowjetischen Ära. Aziz Das mag dieses Denkmal nicht und hofft dass es auch bald aus Bishkek verschwindet.
Lenin und die sowjetische Ära stehen in Kirgisistan auch für eine Zeit der politischen Unterdrückung und Zwangsmaßnahmen. Während der Sowjetzeit wurden viele kirgisische Traditionen unterdrückt, die Landwirtschaft kollektiviert und die politische Opposition bekämpft. Diese historischen Ereignisse führen dazu, dass Lenin in der post-sowjetischen Zeit zunehmend als Symbol der sowjetischen Kontrolle und Repression betrachtet wird. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Stimmen, die die positiven Aspekte der sowjetischen Ära, wie die Entwicklung von Bildung und Infrastruktur, betonen und argumentieren, dass diese mit Lenins Ideologie verbunden waren. Die Auseinandersetzung mit seinem Erbe bleibt in Kirgisistan ein umstrittenes Thema, das von verschiedenen politischen und kulturellen Perspektiven beeinflusst wird. Das Denkmal für die Revolution von 2010 ist besonders wichtig für die kirgisische Geschichte, da es den Sturz des damaligen Präsidenten Kurmanbek Bakijew markiert, der nach landesweiten Protesten und Auseinandersetzungen fliehen musste. Jedes dieser Denkmäler trägt zur Erhaltung und Erinnerung an entscheidende Momente in der Geschichte Kirgisistans und seiner Hauptstadt bei.
Bis zum Abendessen wuchs unsere Gruppe um 25 %.
Im Spa-Bereich kam ich ins Gespräch mit einem Mann aus Portugal. Wie es sich gehört, fragten wir uns gegenseitig, was uns nach Kirgisistan geführt hatte. Er ist geschäftlich hier und plant, Wein aus Portugal zu importieren. Er erzählte mir, dass Weinflaschen, die in Portugal nur 3 bis 4 Euro kosten, hier aufgrund der Transportkosten leicht 10 Euro im Supermarkt kosten können. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass man in Kirgisistan bereits mit 500 Euro ein gutes Gehalt erzielt. Ein durchaus ehrgeiziges Projekt.
Dass das mit den 500 Euro stimmen kann, sahen wir heute in der Stadt. Luxusschlitten sahen wir kaum, hauptsächlich alte Autos.
Am nächsten Morgen holte uns ein anderer Tourguide ab – Mars, ein freundlicher und erfahrener Begleiter. Wir fuhren über zwei Stunden, wobei wir teilweise nur wenige Meter von der Grenze zu Kasachstan entfernt unterwegs waren. Das Programm des Tages sah Reiten vor, und so machten wir uns auf den Weg in das Dorf Shabdan, das uns näher an der kasachischen Stadt Almaty brachte als an der kirgisischen Hauptstadt Bishkek.
Um in die Natur zu gelangen, mussten wir zunächst die ersten Meter durch das kleine Dorf reiten, das vermutlich weniger als 100 Einwohner zählt. Die Dorfbewohner begrüßten uns freundlich, doch einer fiel auf: Ein Mann rief uns mehrfach laut und mit der Geste eines Heil-Rufs zu – "Heil Hitler". Leider hatte ich keine Gelegenheit, ihm zu erklären, dass diese Zeiten längst vorbei sind und er keine Angst haben muss.
Im Dorf angekommen, erhielten wir eine ausführliche Einführung in die Reitkunst, wie wir den Pferden die nötigen Kommandos beibringen sollten, bevor es endlich losging. Die Region Kirgisistan, mit ihren majestätischen Bergen und weiten, grünen Tälern, war eine wahre Augenweide. Diese Berge sind nicht nur ein atemberaubender Anblick, sondern auch von enormer Bedeutung für die Menschen hier. Pferde spielen eine zentrale Rolle im Leben der Kirgisen – sie sind nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch ein Symbol der Kultur und Tradition. Die Menschen in Kirgisistan haben eine jahrhundertealte Beziehung zu diesen Tieren, die ihnen in vielen Bereichen des Lebens helfen, sei es bei der Jagd, bei der Schafzucht oder in den vielen Pferdesportarten, die hier praktiziert werden.
Unsere Reise führte uns durch unberührte Natur, vorbei an sanften Hügeln und steilen Bergflanken. Die frische Luft und die Weite der Landschaft boten ein Gefühl der Freiheit. In der Ferne konnten wir die schneebedeckten Gipfel der Berge erblicken, die uns mit ihrer majestätischen Ruhe in den Bann zogen.
Leider kam es auf halber Strecke zu einem Zwischenfall: Ein Pferd rutschte auf einer feuchten Wiese aus, knickte mit einem Hinterbein ein und der Reiter fiel zu Boden. Der Sturz verursachte Schock und Schmerzen im Schulterbereich, und die Kleidung des Reiters wurde stark verschmutzt. Der Verletzte wurde schnell vom Reiterteam abgeholt und im Stützpunkt erstversorgt. Ein solcher Vorfall ist natürlich bedauerlich, doch es ist wichtig zu wissen, dass das Reiten in Kirgisistan eine langjährige Tradition hat und die Tiere hier bestens geschult und an das raue Terrain angepasst sind. Für Reitanfänger wie uns kann es herausfordernd sein, aber mit der richtigen Technik und Führung ist das Reiten in dieser atemberaubenden Landschaft ein unvergessliches Erlebnis.
Nach etwa zwei Stunden (was für Anfänger durchaus etwas lang sein mag) erreichten wir schließlich den Stützpunkt. Leider gab es noch keine Entwarnung für den Verletzten, doch wir wurden herzlich mit einer Mahlzeit empfangen, die unter anderem aus köstlichem Borschtsch und frisch gebackenem Brot bestand. Unser Tourguide erklärte uns, dass diese spezielle Reittour erst seit zwei Monaten angeboten wird und wir die ersten Gäste waren, die an dieser neuen Route teilnahmen.
Über dem Speisesaal befanden sich gemütliche Zimmer mit atemberaubendem Blick auf die umliegenden Berge. Da wir jedoch bereits ein Hotel in Bishkek gebucht hatten, machten wir uns auf den Rückweg, um den Tag in der Hauptstadt ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen erhielten wir die Nachricht, dass sich unser Pechvogel leider die Schulter gebrochen hatte. Daher ging es nur zu viert weiter zum nächsten Programmpunkt. Wie gewohnt wurden wir wieder vom Hotel abgeholt und in den Vorort Kok Jar gebracht, wo wir in einem privaten Haus die kirgisische Küche kennenlernen durften. Die kirgisische Küche ist geprägt von herzhaften, fleischlastigen Gerichten, die oft mit frischen Kräutern und Gewürzen zubereitet werden. Besonders beliebt sind Gerichte wie beshbarmak, ein traditionelles Nudelgericht mit Fleisch, und manty, gedämpfte Teigtaschen, die oft mit Lamm oder Rind gefüllt sind. Auch plov, ein Reisgericht mit Fleisch und Gemüse, gehört zu den Favoriten. Zu den typischen Zutaten zählen neben Fleisch auch Milchprodukte wie kumys (fermentierte Stutenmilch) und süüt (Milch), sowie frisches Gemüse und Kartoffeln.
Nachdem wir gemeinsam gekocht hatten, wurde das Essen feierlich serviert – natürlich begleitet von selbstgemachtem Schnaps. Unsere Gastgeber erklärten uns, dass in Kirgisistan traditionelle Getränke wie arak, ein milder Alkohol aus Fermentation von Getreide oder Trauben, eine wichtige Rolle bei festlichen Anlässen spielen. Während des Essens erhielten wir zudem interessante politische Einblicke in das Land. Uns wurde berichtet, dass der neue Präsident viele Reformen eingeführt habe, die er selbst als positiv und notwendig ansah. Laut unserem Gastgeber hat der Präsident von Kirgisistan weitreichende Befugnisse und kann viele Entscheidungen ohne das Parlament treffen. Er bezeichnet das selbst als eine Art "Diktatur", um die schnellen Veränderungen umzusetzen. Ein Beispiel dafür war eine neue Regelung, dass Gäste in Restaurants nun QR-Codes scannen müssen, um ihre Rechnung zu begleichen.
Nach dem köstlichen Mahl stimmte unser Gastgeber ein paar Lieder auf der Gitarre an, was eine sehr gemütliche und gesellige Atmosphäre schuf. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, und wir fühlten uns durch die Musik und die Gastfreundschaft sehr willkommen. Bevor wir zurück zum Hotel gebracht wurden, hatten wir noch die Gelegenheit, den Garten des Hauses zu besichtigen. Dieser war besonders bemerkenswert, da er nicht etwa eine Wiese, sondern ausschließlich Obst und Gemüse beherbergte – eine beachtliche Leistung in dieser Region, in der das Klima oft sehr rau sein kann.
Am Abend hieß es dann Abschied nehmen: Wir mussten zum Flughafen, denn unsere Reise sollte weitergehen....