Tadjikistan
3. Halt der November Reise 24
Am Sonntag hoben wir in Richtung Dushanbe ab, der Hauptstadt Tadschikistans. Das Flugwetter war herrlich, und so konnte ich den atemberaubenden Blick auf das mit Schnee bedeckte Pamir-Gebirge genießen, das die Grenze zwischen Kasachstan und Tadschikistan markiert. Das Pamir-Gebirge, auch als „Dach der Welt“ bekannt, erstreckt sich über etwa 300.000 Quadratkilometer und erreicht mit dem Ismoil-Somoni-Gipfel eine Höhe von 7.495 Metern – der höchste Punkt Tadschikistans.
Der Nachmittag begann mit einer Ruhepause und nach etwas Erholung unternahm ich einen Spaziergang durch die Stadt. Dushanbe, mit seinen rund 900.000 Einwohnern, ist die größte Stadt Tadschikistans und ein pulsierendes urbanes Zentrum. Mein Weg führte mich zum Hauptbahnhof von Dushanbe, dem größten Bahnhof der Stadt, von dem täglich acht Zugverbindungen in verschiedene Richtungen starten. Drei dieser Züge fahren nach Wolgograd, das fast 3.000 Kilometer entfernt liegt. Der Bahnhof selbst wirkt fast verlassen, was angesichts des spärlichen Zugverkehrs nicht ungewöhnlich ist. Schon bei den ersten Metern durch Dushanbe bemerkte ich die alarmierend schlechte Luftqualität – das Atmen fiel mir schwer. Dushanbe leidet unter stark verschmutzter Luft, hauptsächlich aufgrund der Emissionen von Industrieanlagen, Fahrzeugen, dem Mangel an effektiven Abgasnormen und den staubigen Bedingungen, die durch die klimatischen Gegebenheiten begünstigt werden. Zudem werden die Feinstaubwerte durch die geographische Lage der Stadt, umgeben von Gebirgen, noch verstärkt.
Neben der allgegenwärtigen Präsenz der tadschikischen Fahnen war es auffällig, dass überall Porträts des Präsidenten von Tadschikistan zu sehen waren. Tadschikistan, etwa so groß wie Österreich, hat eine Fläche von rund 143.000 Quadratkilometern und zählt etwa 9,5 Millionen Einwohner. Die Wirtschaft des Landes basiert vor allem auf Landwirtschaft, Aluminiumproduktion und Energieexporten. Doch trotz dieser Ressourcen bleibt der Lebensstandard vieler Menschen in Tadschikistan sehr niedrig. Besonders auffällig sind die Hochhäuser, die hier in kürzester Zeit aus dem Boden schießen. Es entstehen Tausende neuer Wohnungen, die teilweise modern erscheinen. Doch stellt sich die Frage, wie viele dieser Wohnungen wirklich bewohnt sein werden – angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung sich solche Immobilien vermutlich nicht leisten kann. Und vorallem: woher würden die Menschen kommen, die hier einziehen sollen?
Im Supermarkt verglich ich die Preise: Ein Liter Milch kostet ab 1,70 Euro, ein Kilo löslicher Kaffee schlappe 25 Euro, und ein Glas Nutella (750g) kostet rund 10 Euro. Angesichts eines durchschnittlichen Monatslohns von etwa 200 Euro (umgerechnet) sind diese Preise eine Herausforderung für viele Tadschiken. Diesel kostet etwa 1 Euro pro Liter, eine Taxifahrt von 5 Kilometern liegt bei weniger als 2 Euro. Besonders teuer ist jedoch der Eintritt in westliche Einrichtungen: eine Stunde Sauna im Hotel kostet rund 30 USD.
Am Montag begann unsere Stadtführung mit Ardasher in der Nähe des Ayni-Denkmals. Dieser Platz ist von historischen Gebäuden gesäumt und führt direkt zur Rudikar-Allee, einer der Hauptstraßen Dushanbes. Ardasher erklärte uns viele spannende Details über die Geschichte und Kultur des Landes. Wir besuchten auch das beeindruckende Ismail-Samani-Denkmal, das zu Ehren des ersten sowjetischen Präsidenten Tadschikistans errichtet wurde. Der Platz ist von vielen Blumen und einem schönen Springbrunnen umgeben und auch der nahegelegene Rudikar-Park bietet mit deinen unzähligen Blumen einen herrlichen Anblick. Das Unabhängigkeitsdenkmal ist ein weiteres Wahrzeichen, das die Geschichte der tadschikischen Unabhängigkeit von der Sowjetunion symbolisiert.
Auch in diesem Stadtteil war die Präsenz des Präsidenten besonders sichtbar, ebenso wie die monumentale Nationale Bibliothek, die optisch wie ein großes, geöffnetes Buch gestaltet ist.
Während unseres Spaziergangs stieß ich auf eine blonde Soldatin ohne Hoheitszeichen. Unser Guide erklärte, dass Tadschikistan seit dem russischen Afghanistan-Krieg mit über 10.000 russischen Soldaten besetzt ist, die vor allem zur Sicherung der Grenze und als militärische Unterstützung stationiert wurden.
Nach über zwei Stunden Führung fuhren wir mit dem Taxi zum Siegespark, einem historischen Ort auf einem Hügel im Nordosten der Stadt. Von dort aus führt eine Seilbahn nach oben, aber ich hoffe, dass diese inzwischen stillgelegt wurde, denn der Zustand war nicht ideal. Der Park ist vor allem bekannt für einen Panzer, der dort aufgestellt wurde – ein Symbol für den Sieg der Sowjets im Zweiten Weltkrieg. Interessanterweise wird darauf hingewiesen, dass dieser Panzer auch in Kämpfen gegen Österreich eingesetzt wurde.
Der Blick von oben war leider durch das üppige, verwachsene Gelände etwas eingeschränkt, doch der Park selbst war gut gepflegt und ein schöner Ort für einen ruhigen Spaziergang. Der Istiklol-Turm war unser nächstes Ziel, doch dieser hatte bereits geschlossen.
Wir hatten geplant, ein Mietauto zu nehmen, aber in Tadschikistan gestaltet sich das als schwierig. Sogar am Flughafen werden keine Mietwagen angeboten. In der Stadt gibt es nur eine begrenzte Auswahl, die jedoch sehr teuer ist und überwiegend schlechte Bewertungen hat. Daher konnten wir, wie ursprünglich geplant, nicht zur Grenze nach Afghanistan fahren.
Am nächsten Vormittag konnten wir dann doch den Istiklol-Turm besuchen. Mit seinen 85 Metern Höhe bietet er einen beeindruckenden Ausblick über die Stadt Dushanbe. Vom oberen Aussichtspunkt konnte man die weite Ausdehnung der Hauptstadt bewundern, aber auch das nahegelegene Kohlekraftwerk „Dushanbe 2“ wurde deutlich sichtbar – es liegt weniger als einen Kilometer entfernt und ist eine der Hauptquellen der städtischen Energieversorgung. Die Nähe des Kraftwerks zur Stadt ist ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, mit denen Dushanbe im Hinblick auf Umwelt- und Luftqualität konfrontiert ist. Das Stadion, in dem ein gewisser Rashid Rachimov das kicken lernte, konnte ich auch sehen.
Danach stand eine Fahrt nach Hisor auf dem Programm, einem Ort rund 30 Kilometer außerhalb von Dushanbe, der vor allem für seine Festung Hisor bekannt ist. Die Festung, die auf das 9. Jahrhundert zurückgeht, bietet einen beeindruckenden Ausblick auf die umliegende Landschaft und die Stadt Hisor. Diese Festung ist auch auf den 20-Somoni-Banknoten abgebildet.
Sehenswert war auch der Markt von Hisor, der ein buntes, lebendiges Treiben aus Staub, Straßenverkehr und einem ständigen Wechsel von Waren wie frischem Gemüse, Gewürzen und Kleidung darstellt. Das Kleiderbild in Tadschikistan ist vor allem von langen, oft schillernden Kleidern geprägt, die die Frauen tragen. Diese traditionellen Gewänder haben oft goldene oder silberne Verzierungen, die im Sonnenlicht glänzen. Markenkleidung, wie man sie im Westen kennt, ist hier eher selten und wenn, dann meist gefälscht. Der Markt ist auch ein Ort, an dem man den herrlichen Duft von frisch zubereitetem Tee und Fleisch, das offen und ohne Kühlung verkauft wird, riechen kann.
Am Abend kehrten wir nach Dushanbe zurück, wo wir in einem traditionellen tadschikischen Restaurant speisten – für etwa 6 Euro pro Person. Die Zeit in Tadschikistan hätte ich ruhig um einen Tag verkürzen können. Am Mittwoch am Vormittag starteten wir ins nächste Land. Die Preise im Duty-Free-Shop des Flughafens wirkten fast europäisch und alle Waren waren in Euro ausgezeichnet..