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"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

ZENOBIA - LARNAKA/ZYPERN

Vier Tauchgänge zur MS Zenobia 

Ein Schiff, ein Mythos und meine Geschichte mit ihr
Die Geschichte der MS Zenobia


Die MS Zenobia war eine moderne schwedische RoRo-Fähre, 1979 in Malmö gebaut. Mit 178 Metern Länge, 28 Metern Breite und der Kapazität für über 100 LKWs war sie ein Gigant ihrer Zeit. Am 4. Mai 1980 startete sie ihre Jungfernfahrt, die sie durch die Straße von Gibraltar ins östliche Mittelmeer führte. Ziel war Tartus in Syrien, nach einem Zwischenstopp in Larnaka.
Doch kurz nach der Ankunft nahm das Schiff am 2. Juni 1980 plötzlich starke Schlagseite auf – bis zu 40 Grad. Tagelang kämpfte die Crew gegen das Kentern. Ein Fehler im computergesteuerten Ballasttanksystem gilt bis heute als wahrscheinlichste Ursache: Statt auszugleichen, pumpte das System Wasser auf die falsche Seite. Die über 100 geladenen LKWs verrutschten zusätzlich und verstärkten die Instabilität.


Am 7. Juni 1980, nur rund 1,5 Kilometer vor Larnaka, sank die Zenobia in bis zu 42 Metern Tiefe. Menschen kamen nicht zu Schaden, zahlreiche Nutztiere jedoch überlebten nicht. Der Versicherungsfall blieb umstritten.
Heute zählt die Zenobia zu den Top 10 Wracktauchgängen weltweit – und mit Sicherheit zu den beeindruckendsten im Mittelmeer.
Meine ersten beiden Tauchgänge – Jahre zuvor
Als ich die Zenobia das erste Mal betauchte, war es für mich eine Mischung aus Respekt, Ehrfurcht und purem Staunen. Damals absolvierte ich zwei Tauchgänge, die meinen Blick fürs Tauchen für immer prägten.


Erster  Tauchgang 2020 – Das Wrack von außen
Wir näherten uns der gigantischen Schiffsschraube, die wie eingefroren im Wasser schwebte. Entlang der Außenwand glitten wir zu den unfassbar vielen LKWs, die auf dem Meeresboden wie Spielzeug verteilt lagen. Ich war überwältigt von der Größe, von der Stille und von der Atmosphäre eines Unglücks, das die Zeit konserviert hat.
Zweiter damaliger Tauchgang – Der erste Blick ins Innere
Beim zweiten Tauchgang wagten wir uns in den Bauch dieses Giganten. Enge Gänge, düstere Räume, Schwärme von Fischen, die uns neugierig begegneten. Und ja – dort fotografierte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Toilette. Der Stopp bei den Rettungsbooten zeigte mir, wie viel Geschichte hier unten ruht.
Diese beiden Tauchgänge waren der Auslöser dafür, dass ich mich entschied, Tauchen wirklich ernsthaft zu betreiben. Die Zenobia war damals schon der Hauptgrund, warum ich überhaupt meinen Schein gemacht habe.


Die Rückkehr 2025 – und zwei neue Tauchgänge

Nun, 5 Jahre später, holte mich um sieben Uhr morgens Werner von meinem Hotel ab. Ein Österreicher, seit Jahren Tauchlehrer in Agia Napa, verlässlich, ruhig, erfahren – und für mich einer der besten Menschen, mit denen man unter Wasser gehen kann!


Gemeinsam mit drei weiteren Tauchern machten wir uns auf nach Larnaka. Schon auf dem Weg war klar: Die Zenobia ruft wieder.
Aktueller Tauchgang Nr. 1 – Der erneute Abstieg in die Tiefe
Mit einem kleinen Boot fuhren wir nur wenige Minuten zur Unglücksstelle. Nach der Einweisung sprangen wir ins Wasser und folgten dem Führungsseil hinab.
Je tiefer wir kamen, desto düsterer wurde das Licht. Dann tauchte sie vor uns auf: ein kolossaler Schatten, der langsam Konturen bekam.
Die Schiffsschraube ragte wie ein Denkmal aus der Tiefe, die LKWs lagen kreuz und quer, umgeben von Fischschwärmen, die sich zwischen den Metallriesen bewegten. Schwämme, Algen und Moos hatten das Wrack längst erobert.


Das Wiedersehen mit den Rettungsbooten brachte mir die Geschichte erneut ins Bewusstsein. Wer hier hinabtaucht, taucht in ein Kapitel ein, das schockierend real wirkt – und gleichzeitig surreal.
Nach rund 45 Minuten tauchten wir wieder auf. Salz auf der Haut, Sonne im Gesicht, Herz voller Eindrücke.


Aktueller Tauchgang Nr. 2 – Das Innere des Giganten
Nach einer Pause stiegen wir ein zweites Mal hinab – diesmal wieder hinein in das Innere.
Wir schwebten durch das alte Restaurant. Das Buffet – nur noch ein verbogener Aluminiumblock. Der Teppich hing schräg von der Wand, weil der Boden jetzt die Seite ist. Die Toiletten waren kaum wiederzuerkennen, Türen lagen verstreut am Boden.
Die Kapitänsbrücke war gut erhalten, und einige Instrumente klebten wie eingefrorene Zeitzeugen an den Wänden. Von dort aus tauchten wir in den Laderaum hinab, wo die LKWs seitwärts liegen, als hätten sie sich zu einer grotesken Parade formiert.
Nur unsere Lampen erhellten die dunklen Räume. Ein unbekanntes Zimmer zu betreten ist eine Sache – ein unbekanntes Wrackinnere tauchend zu erkunden, eine ganz andere.
Eng. Dunkel. Mystisch. Intensiv. Und unglaublich faszinierend.
Nach etwa 40 Minuten tauchten wir wieder auf, erfüllt von der Erfahrung.
Fazit: Vier Tauchgänge – und kein Ende in Sicht
Ich habe die Zenobia nun viermal betaucht – zweimal früher, zweimal jetzt. Jeder dieser Tauchgänge war anders, einzigartig, intensiv.
Sie hat mich fasziniert, verzaubert und geprägt.


Und ich bin mir sicher:
Ich komme wieder!

2020:


2025: