Famagusta/Varosia - Strandurlaub neben einem militärischen Sperrgebiet
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1956, als die Mittelmeerinsel Zypern noch vereint war, errichteten Griechen vor der Hafenstadt Famagusta Varosha. Vor der türkischen Invasion erwirtschaftete Varosha mit 45 Hotels und über 10.000 Betten über die Hälfte der Tourismuseinahmen der Insel.
Im Sommer 1974 führte die Türkei die militärische Invasion gegen Zypern durch. Menschen wurden ermordet, es kam zu Zwangsenteignungen, Verfolgungen und Vertreibungen der griechischen Bevölkerung. Weit über 150.000 Griechen mussten aus dem Norden fliehen. Über 1.500 Menschen „verschwanden“. Ende 2018 galten mit Bürgerkrieg von 1963/64 noch immer über 2.000 Menschen als verschwunden. Varosha wurde zum militärischen Sperrgebiet der Türkei. Im Mai 2014 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschrechte, dass die Türkei griechischen Zyprioten 90.000.000 Euro Entschädigung zahlen muss. Davon sind 30 Millionen Euro für die Hinterbliebenen der über 1.500 „verschwundenen“ Menschen gedacht. 60 Millionen Euro Entschädigung wurden für griechisch-zyprische Menschen auf der Halbinsel Karpas, Nordöstliches Zipfel Zyperns, für jahrelanger Unterdrückung zugesprochen.
Am 15. November 1983 wurde die sogenannte „Türkische Republik Nordzypern“ gegründet. Besser bekannt als einfach nur „Nordzypern“, wird dieser „Staat“ weltweit nur von der Türkei anerkannt.
Gespräche zur Wiedervereinigung der Insel gab es immer wieder und führten nicht zum gewünschten Ziel. Mit der Zeit, also in den über 45 Jahren, wollte bei den betroffenen Menschen auch keine Hoffnung mehr aufkommen, dass sie eines Tages in ihre Stadt zurückkehren könnten. Zu oft scheiterten die Verhandlungen. So auch die Volksabstimmung 2004. Nach dem der Süden eindeutig gegen die Wiedervereinigung (76% dagegen) stimmte, stimmt der Norden mit 65 % für die Wiedervereinigung und somit zum „EU-Betritt“ zu.
Fährt man in Famagusta ein wird man im Kreisverkehr vom Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatkür, geschmückt mit türkischen und Nordzypriotischen Fahnen, aufmerksam gemacht, wer hier das Sagen hat. Links kommt man in die Altstadt von Famagusta, in der viele Kirchenruinien aus dem 14. Jahrhundert die Vertreibung bezeugen. Die ehemalige Kathedrale zum Hl.-Nikolaus aus dem 13. Jahrhundert wurde im 16. Jahrhundert von den Osmanen gewaltsam erobert und in eine Moschee umgewandelt. Diese Kathedrale ist nicht die einzige, die auf Zypern von den Osamenen in eine Moschee verwandelt wurde. Rechts runter geht’s den Hafen entlang. Dort findet man bereits Zäune mit Stacheldraht verstärkt und mit Warnschildern versehen. Gewarnt wird, dass sich hinter dieser Absperrung Militärisches Sperrgebiet befindet. Verwachsene Bäume und Sträucher verhindern die Sicht auf diese Geisterstadt. Bei der Sportanlage vorbei, erreicht man ein Hotel, welches in Betrieb ist. Natürlich mit Türkischen und Nordzypriotischen Fahnen verziert. Jeder soll erkennen, wie der Wind weht. Am großen Parkplatz kann man das Auto abstellen und sich in Richtung Strand machen. Der Weg führt nur wenige Meter an von der Türkei zerbombten Häusern vorbei. Angsteinflößender Anblick ist hier ein Begleiter. Tonnenschwere Betonblöcke hängen an wenigen Eisenstangen herunter und demonstrieren die Kraft der Zerstörung. Der kleine Abschnitt des Strandes, welcher noch zugänglich ist, ist kein Ort für den Massentourismus. Der Blick aufs weite Meer ist wirklich schön. Dreht man sich jedoch um, sieht man die Wunden der Vertreibung und des Krieges, die zerstörten und geplünderten Gebäude. Es ist kein Ort für den Familienurlaub. Nicht mehr. Blickt man den Strand Richtung Süden, erstarrt man vor der militärischen Absperrung, die bis ins Meer ragt. Diese Absperrung wurde aus Blechwänden, Holzpfosten, Stacheldraht, Gitterzäunen und Planen aufgestellt. Dahinter verbirgt sich die Geisterstadt Varosha. Zur Sicherheit ist hier natürlich ein türkischer Soldat in seinem Wachhäuschen und warnt wenn man fotografieren möchte oder sich der Absperrung nähert.
Im Oktober 2020 wurden Teile von Varosha geöffnet. Die herrschende Corona Situation schränkt jedoch die Reisemöglichkeit enorm ein. Wie lange Varosha offen bleibt, wie es mit den Eigentümern und dessen Erben weiter geht ist in diesem ewiglangen Konflikt ein Blick in eine ungewisse Zukunft.