Heli Flug New York
Die Nacht war ohnehin kurz, denn am Montag klingelte der Wecker bereits in aller Herrgottsfrühe. Mein Hubschrauber wartete nämlich in New Jersey, und vom Hotel aus dauerte die Anreise deutlich mehr als eine Stunde.
Patrick war bereits früher dort angekommen und erzählte mir, dass es für lediglich 100 US-Dollar ein Upgrade auf den großen Hubschrauberrundflug gab – statt 18 Minuten ganze 30 Minuten Flugzeit. Ich bat ihn noch, den Preis auf 80 Dollar herunterzuhandeln. Leider kam ich etwas zu spät am Stützpunkt an und die Upgrade-Möglichkeit war inzwischen verschwunden. Im Nachhinein sollte sich das allerdings als Glücksfall herausstellen.
Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung war es endlich so weit. Das Wetter hätte nicht besser sein können, und wenige Minuten später hoben wir ab. Das Besondere: Unser Hubschrauber hatte keine Türen. Bereits beim Start pfiff der Wind mit voller Wucht durch die Kabine und sorgte sofort für echtes Abenteuergefühl. Plötzlich lag New York unter uns – eine Skyline, die man zwar von unzähligen Bildern kennt, die in Wirklichkeit aber noch einmal um ein Vielfaches beeindruckender wirkt.
Unser erster Weg führte uns direkt zur Freiheitsstatue. Aus der Luft wirkt sie überraschend klein, fast schon unscheinbar, wenn man sie mit den gigantischen Wolkenkratzern Manhattans vergleicht. Trotzdem ist sie eines der berühmtesten Wahrzeichen der Welt und ein beeindruckendes Symbol für Freiheit und Hoffnung.
Anschließend flogen wir entlang der Südspitze Manhattans. Unter uns ragten die gewaltigen Hochhäuser in den Himmel. Besonders das One World Trade Center dominierte die Skyline, daneben erkannte ich das markante Woolworth Building, das elegante 70 Pine Street sowie zahlreiche weitere Wolkenkratzer, die sich dicht an dicht aneinanderreihten. Von oben wirkte das geschäftige Treiben auf den Straßen plötzlich ganz klein. Ich konnte mich kaum entscheiden, ob ich nach links, nach rechts oder einfach nur geradeaus schauen sollte – überall gab es etwas Faszinierendes zu entdecken.
Danach schwebten wir über die weltberühmte Brooklyn Bridge. Erst aus dieser Perspektive erkennt man, wie elegant sich die historische Hängebrücke über den East River spannt und Brooklyn mit Manhattan verbindet. Autos wirkten wie winzige Spielzeugautos, Boote zogen ihre Bahnen durchs Wasser und die gesamte Stadt präsentierte sich wie ein riesiges Miniaturmodell.
Weiter ging es Richtung Norden bis zum Central Park. Mitten zwischen unzähligen Hochhäusern erstreckt sich diese riesige grüne Oase – ein Anblick, der mich wirklich beeindruckte. Rings um den Park ragten berühmte Wolkenkratzer wie der schlanke Steinway Tower, das elegante 432 Park Avenue und das markante Empire State Building in den Himmel. Dieser Kontrast zwischen Natur und Millionenmetropole ist einzigartig und macht New York so besonders.
Bei einer etwas engeren Kurve zeigte mein Magen allerdings kurz Protest an. Für einen Moment wurde mir richtig schlecht. Zum Glück hielt dieses Gefühl nicht lange an, denn die grandiose Aussicht ließ mich den kleinen Schreck sofort wieder vergessen. Jede einzelne Minute dieses Fluges war ein absolutes Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde.
Nach rund einer halben Stunde setzten wir wieder sicher in New Jersey auf. Der Pilot fragte anschließend, wie uns der Flug gefallen hatte. Während alle anderen begeistert von der Aussicht schwärmten, fragte ich ihn grinsend: „War das eigentlich Ihr erster Flug?“ Zunächst schaute er mich völlig entsetzt an, ehe er den Scherz verstand und herzlich lachen musste. Zum Glück nahm er meinen Humor gelassen.
Auch ich war von diesem Hubschrauberflug restlos begeistert. Wer New York besucht und die Möglichkeit dazu hat, sollte sich dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist zwar kein günstiges Vergnügen, aber jeder einzelne Dollar ist bestens investiert.
Kurz darauf erklärte mir Patrick noch etwas Erstaunliches: Offenbar hatten wir die große 30-Minuten-Tour im Wert von rund 360 US-Dollar für weit weniger als die Hälfte bekommen. Wahrscheinlich hatten andere Passagiere genau dieses Upgrade bezahlt, während wir praktisch kostenlos auf die längere Tour „mitrutschen“ durften. Damit konnte ich ausgezeichnet leben. So etwas gefällt mir.
Die kurze Nacht machte sich mittlerweile allerdings bemerkbar. Deshalb entschied ich mich, den Nachmittag gemütlich im Hotel zu verbringen und neue Energie zu tanken.
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