onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

Flugzeugmuseum Riga


Mit dem Linienbus machte ich mich auf den Weg. Einen Fahrschein hätte ich durchaus gerne gekauft, allerdings erwies sich das als schwieriger als gedacht. Die offizielle App verlangte für die Registrierung zwingend eine Telefonnummer aus dem Baltikum.
Die hatte ich bekanntlich nicht.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als ohne Ticket einzusteigen. Manchmal muss man als Tourist eben improvisieren.
An der Endstation angekommen, stand ich praktisch direkt vor dem Museum.
Der Eintritt betrug stolze 10 Euro. Eine Eintrittskarte erhielt ich allerdings nicht.
Mein erster Eindruck?
Das war weniger ein klassisches Museum als vielmehr ein riesiger Flugzeugfriedhof.
Zwischen hohem Gras und überwucherten Wegen standen Dutzende Flugzeuge, Hubschrauber, Kampfjets und Flughafengeräte. Dazu kamen Gepäckwagen, Tankfahrzeuge, Schlepper, Bodenstromaggregate (GPU), Enteisungsgeräte und allerlei andere Technik, die normalerweise nur Mitarbeiter eines Flughafens aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen.
Für viele Besucher mag das Gelände wie ein Schrottplatz wirken.
Für einen Aviatiker dagegen war es fast schon ein kleines Paradies.
Man konnte gemütlich zwischen den Maschinen umherstreifen und Details entdecken, die in modernen Museen meist hinter Absperrungen verschwinden. Gerade der etwas verwilderte Zustand verlieh dem Gelände seinen ganz eigenen Charme.


Besonders ins Auge fiel eine Tupolew Tu-134 in den klassischen Farben der Aeroflot.
Warum sie ausgerechnet noch immer an einer Ground Power Unit (GPU) angeschlossen war, blieb allerdings ihr Geheimnis.
Braucht dieser fliegende Oldtimer etwa noch Strom?
Oder wollte einfach jemand sicherstellen, dass die Cockpitbeleuchtung nach unzähligen Jahren Standzeit nicht ausgeht?
Daneben stand eine Tupolew Tu-22M, von der NATO als „Backfire“ bezeichnet. Der zweistrahlige Überschallbomber erreicht Geschwindigkeiten von über 2.000 km/h, besitzt – abhängig von der Version – eine Reichweite von bis zu 7.000 Kilometern und kann sowohl konventionelle als auch Marschflugkörper transportieren. Zwischen den 1970er-Jahren und Anfang der 1990er wurden knapp 500 Exemplare gebaut. Noch heute setzt Russland diesen Bomber regelmäßig für Angriffe gegen Ziele in der Ukraine ein um Menschen zu töten.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges konnten ukrainische Streitkräfte mehrere dieser Flugzeuge zerstören oder schwer beschädigen. Besonders spektakulär war die Operation „Spiderweb“ vom 1. Juni 2025. Dabei gelang es der Ukraine, mit Drohnen über 4.000 Kilometer hinter der Front auf russischen Luftwaffenstützpunkten gleichzeitig anzugreifen und unter anderem mehrere Tu-22M schwer zu beschädigen oder außer Gefecht zu setzen.


Auch zahlreiche andere sowjetische Kampfflugzeuge standen auf dem Gelände.
Viele dieser Flugzeugtypen werden von Russland bis heute eingesetzt um Menschen zu töten.
Mich stimmte dieser Anblick nachdenklich.
Zwischen all den historischen Maschinen wurde einem bewusst, dass manche dieser Flugzeuge längst ins Museum gehören würden, stattdessen fliegen ähnliche Exemplare noch immer Kampfeinsätze.
Und genau deshalb passte dieser Ort für mich irgendwie perfekt.
Hier, zwischen Gras, Rost und Geschichte, wirkten sie wesentlich besser aufgehoben als am Himmel.
Wieder einmal ohne Fahrschein machte ich mich mit dem Bus auf den Weg in die Innenstadt. Mein erstes Ziel war die Akademie der Wissenschaften Lettlands.