Oder-Warthe-Bogen Ostwall
Nach dem ersten Weltkrieg wurde 1919 in einem der Pariser Vorortverträge unter anderem die territoriale Aufteilung geklärt. So auch die zwischen Polen und Deutschland. Beide Länder waren mit der Aufteilung nicht glücklich. Die Deutschen befürchteten einen Einmarsch der Polen und suchten nach einer Idee, Deutschland und vor allem Berlin vor einer Einnahme zu schützen.
Aus dem Osten kommend hätte die nördliche Route über Posen-Westpreußen einen erheblicheren Weg für die feindlichen polnischen Truppen bedeutet. Noch schwieriger und länger wäre der Weg im Süden durch Oberschlesien und Niederschlesien gewesen. Der kürzeste und wohl einfachste Weg (falls man hier überhaupt von einfach reden darf) wäre von Posen aus nach Frankfurt/Oder gewesen. Diese ca. 100 km lange Lücke musste geschützt werden. Erschwert wurde dieses Vorhaben durch den Vertrag von Versailles, der ua besagte dass das Deutsche Militär max. 100.000 Mann stark sein darf und dass das Deutsche Territorium nicht mit Festungsanlagen geschützt werden darf. In den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts bauten in diesem Gebiet die Deutschen geheime und getarnte Objekte.
Mit dem Austritt 1933 der Deutschen aus dem Völkerbund wurde der Pariser Vorortvertrag von den Deutschen als nichtig angesehen und 1935 begannen diese Objekte zu einem Bunkersystem auszubauen und sollte 1951 fertig gestellt sein. 1938 befahl Hitler jedoch einen Baustopp, da das Deutsche Reich sich in Richtung Osten vergrößern sollte und man sonst „mitten“ im Reich eine Verteidigungslinie hätte. Des weiteren wurden wichtige Ressourcen für Kriegshandlungen gebraucht. Der Baustopp wurde aber erst Jahre später vollzogen, da es laufende Verträge mit privaten Firmen gab. Somit wurde noch lange weiter gebaut. Gegen Ende des 2. Weltkriegs wurde diese Bunkeranlage wieder von Bedeutung. Jedoch war dieser Abschnitt vom Oder-Warthe-Bogen für die Rote Armee kein schwieriges Hindernis, da der schlecht ausgebildete Volkssturm diese Festung nicht länger als 3 Tage halten konnte.
Somit fiel noch vor dem Ende des 2. Weltkriegs diese Anlange in russische Hände. Jahre später übernahmen die Polen den Oder-Warthe-Bogen. Als diese Verteidigungsanlage für die Polen nutzlos wurde, übergab man sie ihrem Schicksal. Jugendliche nutzten diese Bunker, die auch Panzerwerke genannt wurden, als Party Location. Teilweise mit tödlichem Ausgang. Mit der kommerziellen Nutzung entstand der Name „Ostwall“. Der Ostwall diente auch als Drehort für Filme.
Das Bunkersystem ist in einer Tiefe von 21 Metern, denn diese Tiefe galt damals als nicht erreichbar für Bombenangriffe. Im ganzen Jahr herrschen hier Temperaturen von ca. 10 Grad. Auf einer Nord-Süd Verbindung von 12 km, erreicht der Ostwall mit seinen Seitenanlagen eine Länge von 32 km. Um diese Strecken mit schwerer Munition zurücklegen zu können, war eine Gleisanlage mit mehreren Bahnhöfen installiert.
Während dem Krieg wurden Kunstgegenstände hier vor Bombenangriffen geschützt. Einige Historiker vermuten sogar, dass sich das Bernsteinzimmer in dieser Gegend befindet. Niemand weiß jedoch wo sich diese weltberühmte Einrichtung wirklich befindet. (Aktuell August 2020, vermuten polnische Taucher diesen Schatz im Frachtschiff „Karlsruhe“, welches am 13. April 1945 in der Ostsee von der Roten Armee versenkt wurde. Dieses Wrack liegt fast 90 Meter in der Tiefe.) Von den Panzerwerken gab es 83 Stück und hatten eine Betonwand mit bis zu 3,5 Meter starken Breite. Darauf angebrachte Flammenwerfer konnten bis zu 70 Meter weit sprühen.
Heute werden Führungen angeboten, die in der Winterzeit jedoch eingeschränkt sind, da in diesen Tiefen 35.000 – 38.000 Fledermäuse einen ruhigen und sicheren Platz für ihren Winterschlaf gefunden haben. In keinem anderen Bauwerk in Europa halten mehr Fledermäuse ihren Winterschlaf ab, als im 1988 als Naturschutz ernannten Ostwall.