onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

Landskrona




Eines Herbsttages war ich in Schweden, in Landskrona – einer kleinen, charmanten Stadt an der Westküste, genau zwischen Malmö und Helsingborg gelegen. Mit ihren rund 35.000 Einwohnern wirkt sie ruhig, beinahe beschaulich, und doch spürt man überall eine gewisse Geschichte und Würde. Die Stadt war in warmes Licht getaucht, und die Natur zeigte sich in ihren schönsten Farben. Rote, goldene und orangefarbene Blätter tanzten im Wind und legten sich wie ein Teppich über die Wege und Parks.


Ich spazierte durch diese herbstliche Idylle, sog die klare Luft ein und genoss das Rascheln der Blätter unter meinen Füßen. Besonders eindrucksvoll war die Citadell, eine mächtige Festung aus dem 16. Jahrhundert, umgeben von stillen Wassergräben und weiten Grünflächen. Früher diente sie der Verteidigung der Stadt, später war sie sogar ein Gefängnis – heute ist sie ein friedlicher Ort voller Geschichte. Auf den alten Brücken, die zur Festung führen, kann man noch die Spuren vergangener Jahrhunderte spüren, und im Wasser rundherum spiegeln sich die Bäume in leuchtenden Herbstfarben. Die Citadell ist nicht nur ein Bauwerk, sondern fast ein Symbol für die Gelassenheit und Beständigkeit dieser Stadt.


Danach zog es mich ans Meer. Ob man die schmale Küstenlinie wirklich „Strand“ nennen kann, darüber lässt sich streiten – schließlich denkt man bei einem Strand an Sonne, Baden und Sommerhitze. Doch wer würde bei den kühlen Temperaturen eines schwedischen Herbstes freiwillig ins Wasser gehen? Trotzdem hat dieser Teil von Landskrona seinen ganz eigenen Zauber. Das Licht war weich, das Meer ruhig, und die klare Luft ließ die Farben intensiver wirken. Auch ohne Badegäste war der Strand ein wunderschöner Ort zum Verweilen – still, weit und friedlich.


Doch mein Besuch hatte auch einen ernsteren, beinahe historischen Grund. In Landskrona wurde 1990 eines der berüchtigtsten Spiele der österreichischen Fußballgeschichte ausgetragen: Österreich verlor dort gegen die Färöer-Inseln – eine Mannschaft, die damals ausschließlich aus Amateuren bestand. Fischer, Lehrer, Postbeamte – Männer, die am Morgen Netze einholten und am Abend Weltstars besiegten. Es war ein wichtiges Qualifikationsspiel, und die Niederlage traf Österreich mitten ins Fußballherz.
Toni Polster, der damals selbst auf dem Platz stand, machte sich erst kürzlich nach dem Sieg gegen San Marino über deren Spieler lustig – er nannte sie „Pizzabäcker“. Ironischerweise hatte er einst selbst gegen „Fischhändler“ verloren. Ich stand also im kleinen Stadion von Landskrona, an jenem Ort, der für viele österreichische Fans bis heute als „Platz der Schande“ gilt. In der stillen Herbstluft wirkte alles fast surreal – so friedlich, so schön, und doch voller Geschichte.


Landskrona hat mich auf seine eigene Weise berührt: eine Stadt zwischen Meer, Geschichte und einem Kapitel österreichischer Fußballtragödie – bunt wie der Herbst, aber mit einem Stich Melancholie.